Hypomelanosis guttata idiopathica
Anamnese:
Eine 26jährige ansonsten immer hautgesunde Patientin bemerkte seit 3-4 Jahren weißliche Hautveränderungen an den Beinen, Armen und im Decollté. Subjektive Beschwerden wurden verneint, aber diese Veränderungen wurden als kosmetisch störend beschrieben. Seit über 8 Jahren geht die Patientin regelmäßig ins Solarium.
Die Histologie-Einsendung erfolgte unter dem Verdacht auf einen Lichen nitidus.
Klinisches Bild:
Im Bereich der lichabhängigen Areale der Arme, Beine und des Decolletés fanden sich disseminierte, weißlich glänzende, stecknadelkopfgroße Makulae mit leicht keratotischem Aspekt.
Histopathologie:
Histologisch fanden sich bei normaler epidermaler Konfiguration umschriebende punktförmige Hypo- und Depigmentierungen der Basalzellschicht ohne vollständigen Verlust von Melanozyten und eine darüberliegende lamelläre Hyperhorthokeratose. Entzündliche Infiltrate waren nicht vorhanden.
Kommentar:
Die Hypomelanosis guttata idiopathica (HGI) wurde erstmalig von Costa im Jahr 1951 als "Leucopathie symétrique progressive des extrémités" beschrieben [1]. Genauere Untersuchungen zu Inzidenz, Altersverteilung und Prädilektionsmuster dieser Dermatose untersuchten Cummins und Cottel [2] im Jahr 1966. Die HGI ist eine relativ häufige Dermatose insbesondere bei Frauen mittleren und hohen Alters. Die Inzidenz bei den 20-30jährigen wird sehr schwankend zwischen 2-30% angegeben [3].
In der Literatur wird eine multifaktorielle Ätiologie der HGI aus chronischem UV-Schaden, Reduktion von Melanozyten und Fehlen von reifen Melanosomen (Autoimmunität?, Zusammenhang mit Vitiligo?, somatische Mutation in Melanozyten?) und auch eine familiäre Häufung (bis zu 7%) diskutiert [4,5,6].
Therapeutisch stehen für diese asymptomatischen und irreversiblen Haut-veränderungen keine kausalen Ansätze zur Verfügung. Neben einer keratolytischen Therapie wird strikte UV-Karenz empfohlen.
Literatur:
1. Costa OG: Leucopathie symétrique progressive des extrémités. Ann Dermatol 1951, 78:452–454
2. Cummings KI,Cottel WI: Idiopathic guttate hypomelanosis. Arch Dermatol 1966, 93: 184–186
3. Hamada T, Saito T: Senile depigmented spots (idiopathic guttate hypomelanosis). Arch Dermatol 1967,116: 664–668
4. Ortonne JP,Perrot H: Idiopathic guttate hypomelanosis. Arch Dermatol 1980, 116: 664–668
5. Loquai C et al.: Confetti-like lesions with hyperkeratosis: a novel ultraviolet-induced hypomelanotic disorder? The British journal of dermatology 2005; 153(1): 190-3
6. Sosa, Juan Jesús et al.: Confetti-like depigmentation: A potential sign of rapidly progressing vitiligo. Journal of the American Academy of Dermatology 2015, 2: 272-275